Braune Hundezecken: Daher birgt deine Ferienreise nun eine Gefahr für deinen Vierbeiner.
Wieder machen die Zecken das Leben schwierig – einschließlich einer Art, von der man in den letzten Jahren viel gehört hat: Die Braune Hundezecke verbreitet sich immer weiter bei uns, vervielfacht sich unglaublich schnell und stellt eine ernsthafte Bedrohung für Hunde dar!
Sie kriechen und stochen erneut: Die Zeit der Zecken ist angebrochen! Dazu gehört auch eine Art von Parasiten, die immer häufiger Deutschlands Gebiet betritt: Wie Wissenschaftler*innen der Universität Hohenheim berichteten, sind Braunhundzecken mittlerweile hier anzutreffen. Sie mahnen zur Vorsicht wegen ihres rasenden Fortpflanzungstempo und weisen darauf hin, dass diese Tiere für Hunde äußerst bedrohlich sein können.
Neuartiger Parasit: Wissenschaftler alarmieren über die Braune Hundeschabe
Die Braune Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus) kommtursprünglich vom Mittelmeer und in Nordafrika heim. Aufgrund des ansteigenden Temperaturlevels breitet sie sich nun jedoch auch in Deutschland aus: Sie bevorzugt eine Umgebung mit etwa 25 Grad Celsius und einer trockenen Atmosphäre - insbesondere wenn ein Hund in der Nähe ist. Sobald diese Bedingungen gegeben sind, verlassen die Zecken ihre typischen Verstecke in winzigkleinen, felsigen Nischen und suchen ihr Opfer. Dabei greifen oder besser gesagt beißen sie zu.
Da in Deutschland sehr viele Hunde im Haushalt leben, kann dies tatsächlich zu einer Herausforderung werden. Wie Katrin Fachet von der Abteilung für Parasitologie an der Universität Hohenheim erklärt: „Im Gegensatz zum gewöhnlichen Holzbock ist die braune Hundeschabe in Gebäuden gut zurecht.“ Gemäß ihr genießt dieses Individuum aus dem Mittelmeergebiet unsere wärmere und besonders trockenere Umgebung ungemein.
Schnell wie der Blitz und explosionsartig verbreitende Phänomene
Das Unangenehme daran ist, dass sobald sich die braune Hundeschabe eingeschlichen hat, sie sich extrem schnell vermehrt, wie Katrin Fachet beschreibt: „Eine weibliche Bockscheibe kann bis zu 2000 Eier ablegen - eine weibliche Hundeschabe sogar bis zu 4000. In wenigen Monaten können es dann schon viele tausend Schaben in der Wohnung sein“, erklärt die Wissenschaftlerin. Dadurch kann die braune Hundeschabe schnell zu einem äußerst lästigen Problem werden und stellt darüber hinaus auch Risiken dar.
Wie bereits im Namen deutlich wird, frisst normalerweise die Braune Hundezecke hauptsächlich Hundehäute. Wenn jedoch die Bevölkerung übermäßig wächst und ein geeigneter Wirt knapp wird, zeigt diese Art keine Vorliebe und nimmt stattdessen einen menschlichen Host in Anspruch, betont Katrin Fachet. In manchen Fällen kann dies sogar für Menschen bedrohliche Konsequenzen haben und stellt eine Gefahr sowohl für Haustiere als auch für Personen dar.
Dieser Krankheitserreger wird von der Braunen Hundeschabe übertragen.
Obwohl bislang weder FSME- noch Borreliose-Erreger mit dieser Zeckenart assoziiert wurden, warnt die Forscherin vor anderen Krankheiten: "Die Braune Hundezecke kann zu ernsten Erkrankungen bei Hunden führen."
Welche speziell betroffen war, untersuchte BILD die FRAGE einer Frau bei zweien Fachleuten. „Hauptsächlich handelt es sich dabei um Babesiosen und Ehrlikiosen, jedoch kommen auch Anaplasmenosen und Hepatozoonen vor“, erklärt Martin Komorek, der für die Kommunikation auf parasites-Portal.de verantwortlich ist. Er setzt hinzu: „Die Symptomatik dieser Krankheiten variiert erheblich und kann ohne Behandlung vom Fieberausbruch bis hin zur Durchfallerkrankung gehen oder sogar im Tode eines Hundes enden – wie beim akut auftretenden Fall einer Babesiose.“
Die Tierärztin Dr. Astrid Behr vom Bundesverband Praktizierender Tierärzte e.V. betont insbesondere das Risiko durch die Ehrlicheose: Diese Krankheit ist weit verbreitet in den Ländern ums Mittelmeer und wurde sogar schon im Saarland festgestellt. Der Erreger greift Zellen an, die zu den weißen Blutzellen gehören - genauer gesagt Monocyten -, und dringt dann in Lymphknoten, Leber und andere Organe ein. Eine Woche oder länger nach der Infektion manifestieren sich die ersten Symptome wie wiederkehrendes Fieber, Mangel am Hunger, Schwierigkeiten beim Atmen, Blutungen, Schwellungen der Milz und Lymphknoten sowie weitere Beschwerden. Über einen längeren Zeitraum hinweg kann diese Erkrankung letztendlich chronische Bluthunger bedingen.
Auch menschenerkrankende Krankheiten wie das Mittelmeer-Fleckfieber transportiert die Braune Hundezecke.
Wer in seinem Haushalt einen Befall mit den Braunen Hundezecken vermutet, sollte sich schnell mit einer Expertin oder einem Experten zu dieser Art in Verbindung setzen, empfiehlt Katrin Fachet: "Werden in Eigeninitiative die falschen Maßnahmen ergriffen, kann es zu einer erheblichen Verschlimmerung des Befalls mit stark erhöhtem Gesundheitsrisiko für Mensch und Tier kommen."
Wie man seine Hunde schützen kann
Welche Maßnahmen können Hundebesitzer*innen ergreifen, um ihren Vierbeiner vor Zecken zu schützen? Die Tierärztin Astrid Behr rät zur gründlichen Nachprüfung der Hunde nach jedem Ausflug spazieren gehen: „Sollten an einem Tier Zecken gefunden werden, sind sie sofort zu entfernen, damit die mögliche Übertragen von Erregern vermieden wird. Zum Entfernen von Zecken eignen sich spezialisierte Werkzeuge wie Zeckenzieher.“ Allerdings sollte man nicht durch ein allgemeines Verbot des Außer-Hauses-Gehens reagieren, warnt Martin Komorek: „Es hat keinen Zweck, wenn man seine Hunde nicht mehr ins Freie lässt und besonders im Wald oder auf Wiesen unterbringt.“
Astrid Behr warnt jedoch: „Indem man das Tier nur suchen würde, kann keine ausreichende Sicherheit gewährleistet werden, da durch diese Methode sogar Experten zahlreiche Zecken übersehen. Aus diesem Grund sollte während der Zecken-Saison vorbeugend ein wirksames Ektoparasitikum verwendet werden. Solche Präparate sind als Tropfenaufträger, Sprayformulierungen oder parasitärfeste Halsbandmodelle in veterinärmedizinischen Praxen erhältlich.“ Martin Komorek fügt hinzu: „Es gibt auch wirkungsvolle Würfeltabletts, welche zusätzlich gegen verschiedene Parasiten einsatzbereit sind.“
Also so hat sich die Zecke nach Deutschland eingependelt.
Nach Deutschland ist die Braune Hundezecke anscheinend nicht selbstständig aufgetaucht, sondern höchstwahrscheinlich durch Touristen hierhergebracht worden. Dies geht aus den Aussagen von Prof. Dr. Ute Mackenstedt, einer Parasitologin und Spezialistin für Zecken an der Universität Hohenheim, hervor: „Es besteht Grund zur Annahme, dass Menschen, welche ihre Hunde im Ausland im Urlaub haben, diese Zäckel nach Deutschland einführen. Allerdings wurde das Insekt auch bei Hunden entdeckt, die ihr Eigentum niemals verließen – was darauf schließen lässt, dass sich die Art möglicherweise schon etabliert hat.“
Um die Erforschung der braunen Hundezecke weiter voranzutreiben, ruft das Team der Universität Hohenheim zur Mithilfe auf. Sollten Sie in einem Gebäude ein außergewöhnlich hoher Vorkommen dieser Zecken feststellen oder wenn Ihr Hund stark von diesen Parasiten betroffen ist und diese als braune Hundezecken identifiziert werden könnten, senden Sie uns doch bitte per E-Mail ein Foto an hundezecken@uni-hohenheim.de.
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